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Readspeaker Symbol Wie erinnern wir in Zukunft?

Mitmachen statt leerer Rituale

Wie können wir in Zukunft an den Holocaust erinnern? Mit Fragen wie diesen im Kopf kamen Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Niedersachsen in den Landtag. Sie hatten in ihren Schulen oder Gedenkstätten bereits an einem Erinnerungsprojekt teilgenommen. Im Landtag entwickelten sie Ideen, wie die Erinnerungskultur der Zukunft aussehen könnte: Sie wünschten sich vor allem mehr multimediale Angebote und Projekte zum Mitmachen. Zudem ist ihnen der Gegenwartsbezug in der Gedenkstättenarbeit und im Schulunterricht sehr wichtig. Wie zentral das Erinnern für die Gegenwart sei, betonte ebenso Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta: „Auch heute begegnen uns wieder offen Antisemitismus, Ausgrenzungen und Fremdenfeindlichkeit. Das muss uns umtreiben, wir dürfen nicht tatenlos zusehen – das hat uns unsere Geschichte gelehrt. Umso wichtiger ist es, Zivilcourage zu entwickeln.“ Der Landtag wolle mit der Veranstaltung einen Beitrag dazu leisten.


Readspeaker Symbol Die Bedeutung von Zeitzeugen

Professor Dr. Dietmar von Reeken, Geschichtsdidaktiker der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, bemerkte zu Beginn, wie bedeutsam Holocaust-Überlebende als Zeitzeugen für die Erinnerung bisher gewesen seien. Sie könnten „ungleich eindrücklicher als alles, was wir medial produzieren können“ berichten und Zeugnis ablegen. Dies sei gerade deshalb wichtig, weil der Sinn des Gedenkens vermehrt in Frage gestellt werde. Von Reeken stellte fest: „Wenn uns keine Zeitzeugen mehr zur Verfügung stehen, müssen wir darüber nachdenken, mit welchen Methoden und welchen Inhalten, die Erinnerung trotz oder gerade wegen der Widerstände wachgehalten werden kann.“

Readspeaker Symbol Jugend für Dora

Der internationale Verein „Jugend für Dora“ aus Thüringen stellte mehrere Projekte vor. Die drei Vereinsmitglieder Katharina Friedek, Andreas Froese und Carl-Lukas Pokoj berichteten, wie sie mit einem Internet-Blog Interessierten zusätzliche Informationen angeboten und diese zur Diskussion eingeladen hätten. Sie mussten auch auf Widerstände reagieren: Die Statements, die sie in Nordhausen auf Gehwege geklebt hatten, waren bereits nach zwei Tagen zum Großteil zerstört. Sie machten den Jugendlichen Mut, sich zu engagieren und Widerstände zu meistern.

Readspeaker Symbol In den Arbeitsgruppen

In den Arbeitsgruppen diskutierten die Jugendlichen über neue Wege. Nicht nur zuhören, sondern selbst sich einbringen zu können, war eine ihrer wichtigsten Forderungen: Sei es bei Führungen oder Projekten in den Gedenkstätten oder bei öffentlichen Aktionen wie vom Verein „Jugend für Dora“ vorgestellt. Sie wollten sich selbst Wissen erarbeiten und ihre Eindrücke einbringen. Und sich austauschen, auch mit ausländischen Jugendlichen beim gemeinsamen Freiwilligendienst. Wichtig fanden sie den regionalen Bezug und den Zugang über Biografien zur Geschichte. Videos von Zeitzeugen sollten deren Erfahrungen für die folgenden Generationen sichern.

21. Januar 2019 - "Wie erinnern wir in Zukunft" - Jugendliche diskutieren im Landtag; hier: Gruppenarbeit  - Bild vergrößern 21. Januar 2019 - "Wie erinnern wir in Zukunft" - Jugendliche diskutieren im Landtag; hier: Gruppenarbeit (©Nds. Landtag)
21. Januar 2019 - "Wie erinnern wir in Zukunft" - Jugendliche diskutieren im Landtag; hier: Gruppenarbeit  - Bild vergrößern 21. Januar 2019 - "Wie erinnern wir in Zukunft" - Jugendliche diskutieren im Landtag; hier: Gruppenarbeit (©Nds. Landtag)

Readspeaker Symbol Fazit

Von Reeken fasste zusammen: „Die zentrale Botschaft ist aus meiner Sicht, dass Vielfalt statt Einfalt gelebt wird. Dass die Perspektive der Jugendlichen ernst genommen wird. Und der Rahmen stimmen muss – also Zeit und Personal in den Gedenkstätten vorhanden sein muss.“

Landtagspräsidentin Dr. Andretta zeigte sich von den Vorschlägen der Arbeitsgruppen beeindruckt: „Die Ideen und Hinweise der Schülerinnen und Schüler sind sehr wertvoll für die Abgeordneten des Landtages. Wir sollten uns mit ihren Anregungen auseinandersetzen und sie aufgreifen. Mir ist es daher ein großes Anliegen, dass der Dialog mit den Jugendlichen fortgeführt wird.“

Readspeaker Symbol Folgende Gedenkstätten und Schulen waren vertreten:

  • Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße, Braunschweig, IGS Querum und IGS Peine

  • Arbeitskreis Stadtgeschichte, Träger der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte,Gedenkstätte Moringen

  • Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen, Ratsgymnasium Stadthagen

  • Volkshochschule Hildesheim Projekt „Vernetztes Erinnern“, Robert-Bosch-Gesamtschule

  • Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe, BBS1 Aurich, BBS1 Emden, der IGS Emden, Gymnasiums Ulricianum Aurich, IGS Marienhafe-Moorhusen

  • Leibniz-Schule Hannover

  • Gedenkstätte Lager Sandbostel, Gymnasiums Bremervörde

  • Jugend AG der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau

  • Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel, Gymnasium Neue Oberschule Braunschweig, IGS Wallstraße Wolfenbüttel, Geschwister-Scholl-Gesamtschule Göttingen, Azubis des MAN Trucks & Bus AG Salzgitter

  • Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht Osnabrück, Alexanderschule Wallenhorst, Gesamtschule Schinkel, Förderschule an der Rolandsmauer (alle Osnabrück), Schule am Roten Berg Hasbergen, Sophie-Scholl-Schule und Realschule Georgsmarienhütte, Gymnasium Oesede

  • Projekt der Stadt Bergen „Demokratie leben!“, Gedenkstätte Bergen Belsen, Jugendforum Bergen

  • Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, Sophienschule Hannover

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