Stefan Politze

Schulpolitischer Sprecher der SPD

Wann und warum haben Sie sich dazu entschieden, politisch aktiv zu werden?

„Ich bin an meinem 16. Geburtstag 1981 in die SPD eingetreten. Schon als Kind wurde ich in einem sozialdemokratischen Haushalt mit Eltern, die beide in der Politik waren, sozialisiert. Die SPD gehörte quasi schon immer zu meiner DNA. Von daher wollte ich in der Jugendorganisation der SPD – den Jusos – mitarbeiten. Das war die richtige Entscheidung, weil die Werte der Partei mit meinen Werten absolut übereinstimmten und von daher ist die SPD seit nunmehr 39 Jahren ein Stück von mir und meiner Familie.“

Welche Bedeutung hat Landespolitik für Schulen und Bildung?

„Eine sehr hohe. Die Schul- und Bildungspolitik wird hauptsächlich in den Bundesländern verhandelt – so auch im Land Niedersachsen. Deswegen ist der Kultushaushalt, also das Geld, das für Schule und Bildung im Land zur Verfügung gestellt wird, auch einer der größten in der Landespolitik. In den vergangenen Regierungsjahren ist er sogar nochmal stark angewachsen, weil wir als SPD unsere politischen Schwerpunkte vor allem im Bildungsbereich setzen. Um ein Beispiel zu geben: Lehrerinnen und Lehrer stehen im Dienst des Landes Niedersachsen.“

 

Was sind Ihre Aufgaben als schulpolitischer Sprecher?

„Sprecher sein bedeutet zunächst, dass man für seine Fraktion – in meinem Fall die SPD – zu diesem politischen Themenkomplex nach außen „spricht“, z.B. gegenüber Vereinen, Verbänden, Initiativen, Gewerkschaften, aber auch gegenüber der Presse. Tatsächlich leistet ein Sprecher jedoch auch immer etwas inhaltliche Vorarbeit für die eigene Fraktion, weil er in dem jeweiligen Fachausschuss, hier der Kultusausschuss, für die Fraktion spricht, aber auch, weil er mit den Interessenverbänden u.a. im Austausch ist. Das bedeutet demnach auch, dass er über die Themen in der Bildungspolitik den besten Überblick hat.“

 

Portrait von Stefan Politze, SPD

Wie genau setzen Sie sich für Kinder und Jugendliche ein?

„Für mich ist es von entscheidender Bedeutung, dass es sozial gerecht zugeht. Das bedeutet, dass niemand vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen werden darf, sondern dass wir als Gesellschaft alles tun müssen, um Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern. Das geht zum einen durch Geld vom Land, damit alle sich Schulbücher und Unterrichtsmaterialien leisten können, aber auch durch die Gestaltung des Alltags an Bildungseinrichtungen. Was meine ich damit? Um es an einem Beispiel fest zu machen: Manche Schülerinnen und Schüler haben zu Hause Eltern oder ältere Geschwister, die ihnen Dinge, die sie in der Schule noch nicht ganz verstanden haben, nochmal erklären können. Viele haben das aber nicht, weil entweder die Eltern beide einer Arbeit nachgehen (müssen) und sonst niemand Zeit hat. Deshalb haben wir als SPD – und dafür habe ich mich stark eingesetzt – massiv in die Ganztagsschule investiert, damit die Kinder und Jugendlichen im Zweifel dort auch nochmal Hilfen in Anspruch nehmen können. Dadurch gleichen sich die Chancen mehr an. Es gibt unzählige weitere Beispiele, die ich bei Interesse gerne beantworte.“

 

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit als schulpolitischer Sprecher?

„Die vielen Begegnungen mit Schülerinnen, Schülern, Eltern, aber auch Schulverbänden sind für mich wirklich sehr gut und wichtig, weil ich immer eine direkte Rückmeldung bekomme, was gut ist und was wir ändern sollten. Außerdem mag ich Menschen und bin darum gerne mit ihnen im Gespräch.“

 

Was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Themen, Sorgen und Wünsche der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen?

„Im Moment ist diese Frage sicher unmittelbar mit der Corona-Pandemie verbunden. Wahrscheinlich fragen sich viele Schülerinnen und Schüler, wie sicher es ist, an der Schule unterrichtet zu werden, wie hoch die Gefahr ist, sich anzustecken, aber auch, wie sie eigentlich auf ihren Schulabschluss und das Leben danach vorbereitet werden können, wenn die Pandemie den Alltag schwierig macht. 

Meiner Erfahrung nach ist es darüber hinaus immer ein Thema, gut ausgebildete Lehrkräfte zu haben, die nicht nur den Unterrichtsstoff vermitteln, sondern auch ansprechbar sind, wenn jemand Schwierigkeiten hat, und Hilfestellungen geben können. Es ist außerdem immer ein Thema, den Druck aus dem Schulalltag herauszunehmen. Es gibt vielfach die Tendenz, dass alles Mögliche in der Schule vermittelt werden soll. Dabei muss man immer berücksichtigen, dass auch die Zeit an der Schule begrenzt ist und zusätzlicher Druck auch immer weniger Entfaltungsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler bedeutet. Diese Möglichkeiten sind aber wichtig für die eigene Entwicklung. Darum muss man an dieser Stelle auch aufpassen, nicht zu viel in den Schulalltag hineinzupacken.“

 

Wie können junge Menschen ihre Schulzeit selbst politisch mitgestalten?

„Am besten ist es, sich an der Schule zu engagieren. So kann man als Klassensprecherin oder Klassensprecher bis hin zur Schülersprecherin / zum Schülersprecher viel bewirken. Dabei kann es immer auch helfen, andere durch gute Argumente zu überzeugen und sich Verbündete für die eigene Position zu suchen.

 Außerhalb der Schule gibt es natürlich auch Einflussmöglichkeiten. Ein prominentes Beispiel ist sicherlich die Fridays-for-Future-Bewegung. Durch die Proteste, an denen sich viele Schülerinnen und Schüler beteiligt haben, wurde der Klimaschutz an vielen Schulen stärker thematisiert. Hier ist also ein Lerninhalt durch das Engagement stärker in den Fokus genommen worden.

Am meisten Einfluss auf die „große“ Politik kann man natürlich nehmen, wenn man in eine Partei eintritt und dort – zusammen mit anderen Jugendlichen / jungen Erwachsenen – inhaltliche Anträge schreibt, die dann von der Partei aufgenommen und in der Regierung umgesetzt werden.“

 

Und wenn Sie an Ihre Schulzeit zurückdenken: Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

„Ich bin Gesamtschüler der 2. Generation, also aus den Anfängen der Gesamtschulbewegung. Mir hat Schule immer sehr viel Spaß gemacht, weil die Freude am Lernen und am Hinterfragen sehr gefördert wurden. Das hat zu einem sehr guten Zusammenhalt geführt und auch die Lehrer sind uns auf Augenhöhe begegnet. Von daher ist Schule für mich immer eine schöne Erinnerung.“

 

Mitglied des Landtages
seit 2008

Geboren am
4. Juni 1965

Beruf
Landespolitiker, vorher Angestellter bei der enercity AG

Familie
verheiratet,
5 Kinder und ein Pflegekind