Thomas Brüninghoff

Jugendpolitischer Sprecher der FDP

Wann und warum haben Sie sich dazu entschieden, politisch aktiv zu werden?

„2006 habe ich mich dazu entschlossen, zunächst im kommunalpolitischen Bereich aktiv zu werden. Ich wollte nicht mehr nur meckern, sondern mich aktiv einbringen für eine reelle Chance, von mir und meinem Umfeld kritisierte Themenbereiche zum Positiven zu verändern. Im Laufe der Jahre bin ich mit dieser Intention dann hier im Niedersächsischen Landtag gelandet.“

Was macht ein jugendpolitischer Sprecher eigentlich?

„Neben dem Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung sowie der Wahlkreis- bzw. Fraktionsarbeit müssen die vielzähligen jugendpolitischen Ausschüsse und Kommissionen inhaltlich und thematisch vorbereitet, vor Ort wahrgenommen sowie im Anschluss aufbereitet werden, um Schlussfolgerungen ziehen zu können und entsprechend sinnvolle Lösungsvorschläge vorzubringen. Weiterhin bemühe ich mich ständig um Termine und Gespräche mit Einrichtungen jeglicher Art, um Jugendarbeit vor Ort zu erleben und aktuelle sowie ganzheitliche Probleme wahrzunehmen. Diese Eindrücke und Gesprächsergebnisse fließen dann in die Ausschuss- und Fraktionsarbeit ein. Der stetige Austausch mit Organisationen rund um das Thema Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, usw. zählt ebenfalls zu meinem ‚täglich Brot‘. Nur so bin ich ausreichend informiert, um Problemen entgegenwirken und Anliegen zum Positiven verbessern zu können. Außerdem entwickeln mein Team und ich auf Grundlage der Informationen von Fachleuten eigenständig Konzepte zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Situation Jugendlicher in Niedersachsen und Deutschland.“

Portrait von Thomas Brüninghoff, FDP

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit als jugendpolitischer Sprecher?

"Ich bin dankbar, in meiner Funktion als jugendpolitischer Sprecher den Bedarf der nachfolgenden Generation ermitteln zu können. Gerade als Vater habe ich das Interesse, für unsere Kinder und Jugendlichen ein geeignetes System zu erarbeiten und es ständig zu verbessern, in welchem sie sich entfalten können und alle Bedingungen vorfinden, um sich erfolgreich weiterentwickeln zu können. Außerdem ist es besonders eindrucksvoll, wie viel man als ‚Otto Normalverbraucher‘ über die Arbeit der Jugend(sozialarbeits-)organisationen gar nicht weiß. Zum Teil stehen diese Einrichtungen vor Problemen, die sie selbstständig nicht lösen können, deren Lösung aber für nachfolgende Generationen essenziell wichtig ist. Es ist ein Privileg für mich, hier Gespräche anbieten zu können und die Möglichkeit zu haben, diese Bedürfnisse und Bedarfsermittlungen in den Landtag tragen zu können, um effizient an einer Verbesserung mitzuwirken."

Inwiefern ist Landespolitik für junge Menschen wichtig?

„Junge Menschen müssen sich von politischen Entwicklungen bereits in jungen Jahren ein Bild machen können. Es geht schließlich um ihre Zukunft, um ihr persönliches Begehren, wie das Land Niedersachsen in Zukunft aufgestellt sein sollte. Politik muss zu den jungen Menschen gebracht und ihnen verständlich gemacht werden, um sie auf ihre Rolle als Niedersachsens Zukunft vorzubereiten und hieran bereits bestmöglich mitwirken zu können.“
 

Welche Themen sind für Jugendliche besonders interessant?

„Ich erlebe zunehmend, dass sich Jugendliche Sorgen um die Zukunft machen; um sich als Erwachsene, ihre Kinder, ihre Enkelkinder, um ihre spätere Wohn- und Lebenssituation, um Jobs und Arbeitgeber, finanzielle Möglichkeiten uvm. Besondere Bedeutung messen Jugendliche m. E. einem soliden Grundgerüst für ihre Zukunft sowie persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten bei. Internetverfügbarkeit, Digitalisierung und Netzausbau, Bildung, Weiterbildungsoptionen sowie Fortbildungsangebote für die Zukunftssicherung spielen eine große Rolle. Auch der gesellschaftliche Zusammenhalt und Freizeitgestaltung sind relevante Themen. Nach bisherigen Gesprächen mit Organisationen, Einrichtungen, Jugendlichen sowie aus eigener Erfahrung sind v. a. aktuell Auslandsaufenthalte, Freiwillige Soziale Jahre und deren Umsetzungsmöglichkeiten sowie Umwelt-/Natur/-Tierschutz interessant.“
 

Welche Möglichkeiten gibt es, Politik für junge Menschen spannend zu gestalten? Welche Rolle spielen soziale Medien dabei?

„Man muss jugendliche mit ihren persönlichen Themen erreichen. M. E. geht über soziale Medien sogar viel Inhalt verloren, da so viel Verschiedenes im Netz gepostet wird, dass man die spezifischen Themen der Jugendlichen gar nicht mehr gezielt steuern kann. Ich glaube, dass man Jugendlichen in erster Instanz die Angst vor der ‚ungreifbaren Politik‘ nehmen muss. Viele junge Menschen sorgen sich, hinter den Kulissen nicht nachvollziehen zu können, was so weit weg in einem Landtag überhaupt alles passiert und wenn doch, nicht daran mitwirken zu können. Sie glauben, ihre Mühe wäre ohnehin umsonst und sie könnten die Zeit besser in so viel wichtigeres in ihrem Leben investieren, anstatt sie an Politiker zu verschwenden, die ja und Amen sagen und am Ende doch nichts von dem umsetzen, was angesprochen wurde. Man muss ihnen in vielen persönlichen Gesprächen immer wieder erläutern und versichern, dass auch sie in der Politik einen Platz haben. Dafür müssen allerdings erst einmal die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Meine Antwort lautet also: Rahmenbedingungen schaffen, immer wieder persönliche Gespräche führen, erläutern, erklären und vor allem; einfach mal fragen, was ihn oder sie persönlich bewegt. Ich bin immer wieder erfreut darüber, wie viele junge Menschen darauf eine sehr zielführende und klare Antwort haben. Außerdem finde ich, die Wahlprogramme der Parteien sollten von Schülern im Politikunterricht eingehend und unvoreingenommen besprochen und auch diskutiert werden dürfen. Ergänzend können einzelne Gruppen stets Plenarsitzung im Landtag besuchen und mit Politikern zu relevanten Positionen ins Gespräch kommen.“
 

Politischer Einsatz kann ganz unterschiedlich aussehen – die Arbeit in einer Partei ist nur ein Beispiel. Welche Möglichkeiten gibt es für Jugendliche noch, selbst politisch aktiv zu werden?

„Zuallererst: das Wahlrecht wahrnehmen, wählen gehen. Kommunalpolitisch gibt es z. T. das Wahlrecht ab 16 Jahren. Junge Menschen sollten auf allen möglichen Wegen auf Wahlprogramme zugreifen können und unabhängig von jeder Einflussnahme ihre eigene Wahlentscheidung treffen. Auch das Diskutieren und Debattieren über verschiedenste Vorkommnisse in der Welt, mögen sie noch so allgemein sein, gehört für mich schon zu einer Auseinandersetzung mit politischen Inhalten. Die Diskussionskultur darf kommenden Generationen nicht verloren gehen; hier sehe ich auch Eltern, Lehrer, Jugendgruppenleiter & Co. in der Pflicht, dies zu vermitteln und so die Angst vor der Auseinandersetzung mit weiteren (Kommunal-/Landes-/Bundes-) politischen Themen zu minimieren. Auch das Recht zur Demonstration gehört dazu. Weiterhin gibt es die Website wedecide.de, hier können sich Jugendliche über jegliche Art der (politischen) Beteiligung und Mitbestimmung informieren. Junge Menschen können sich zusätzlich in Jugendverbänden, Jugendringen, Jugendvertretungen oder Jugenddachverbänden politisch einbringen. Auch die Jugendorganisationen der Parteien bieten eine Möglichkeit, Politik mitzubestimmen. Bei der Jugendorganisation der Freien Demokraten können sich junge Menschen ab 14 Jahren einbringen, die über ihre eigene Zukunft entscheiden möchten. Frei nach dem Motto: Wir hören Dir nicht nur zu, sondern geben Dir und Deinen Ideen eine Stimme. Die Jugendorganisationen der Parteien halten eigene Kongresse auf kommunaler, Landes-, und Bundesebene ab und geben ihr Bestes, durch eigene Anträge und Ideen die Themensetzung in ihrer Mutterpartei in ihrem Sinne zu gestalten.“
 

In Niedersachsen wird in der Regel alle fünf Jahre neu gewählt. Viele Themen sind aber auch noch lange nach der nächsten Wahl wichtig. Wie versuchen Sie, politische Lösungen für die Zukunft umzusetzen?

„Ich denke grundsätzlich nicht von Wahl zu Wahl. Für mich fängt Politik, politisches Interesse, das Streben nach Veränderung und Optimierung jeden Tag aufs Neue an, eine Endstation oder ein Etappenziel bis zur nächsten Wahl gibt es da für mich nicht. Ich höre mir in zahlreichen persönlichen Gesprächen die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger /-innen, der Einrichtungen, Organisationen, Institute, … an und versuche, daraus Lösungen zu entwickeln, die für alle Situationen bestmöglich geeignet sind. Oft ist das schwierig, da die Lösung für das eine Problem ein Problem an anderer Stelle hervorrufen kann. Daher arbeiten wir in der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag aus den verschiedenen Ressorts intensiv zusammen und erarbeiten Konzepte, die für alle schließlich zu einer Verbesserung führen. Leider dauern diese Abstimmungen und die Berücksichtigung aller Parameter meist länger als gewünscht, dennoch sind sie unverzichtbar, um nicht durch die Lösung eines Problems ein weiteres hervorzurufen. Wir konzentrieren uns also auf grundsätzlich realistische, umsetzbare Lösungen und werden als Oppositionspartei nicht müde, die derzeitige Landesregierung auf Versäumnisse oder mögliche Lösungswege hinzuweisen, um gemeinsam als Parlament ein für alle bestmögliches Ergebnis zu erarbeiten.“
 

Und zu guter Letzt noch eine persönliche Frage: Welchen Film oder welche Serie können Sie empfehlen?

„Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau, Mord mit Aussicht mit Carolin Peters und den Tatort.“

Mitglied des Landtages
seit 2013

Geboren am
8. April 1969

Beruf
Geschäftsführerin

Familie
verheiratet, zwei Kinder