Mareike Wulf (CDU): "Die veränderten Lebenswelten junger Menschen müssen in den Schulalltag integriert werden."

Wann und warum sind Sie in die Politik gegangen?

"Die politischen Ereignisse in 2015 und 2016 haben deutlich gemacht, dass in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben alles andere als selbstverständlich ist. (© Mareike Wulf, CDU)
Politisch interessiert war ich schon immer, habe meine Rolle aber eher in der zweiten Reihe gesehen. Mit meinem Beruf als Geschäftsführerin und Bildungsexpertin der Unternehmerverbände Niedersachsen war ich sehr zufrieden. Doch die politischen Ereignisse in 2015 und 2016 haben deutlich gemacht, dass in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben alles andere als selbstverständlich ist. Daher habe ich mich 2017 zur Wahl für den Niedersächsischen Landtag gestellt. Ich wollte meinen Beitrag leisten. Werte wie Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat dürfen in Deutschland und in Europa nicht an Bedeutung verlieren.

Was macht ein schulpolitischer Sprecher eigentlich?

Die Bildungspolitik gehört in Deutschland seit jeher zu den Kernkompetenzen der Länder. Im Arbeitskreis „Kultus“ der CDU-Landtagsfraktion werden alle Fragen der niedersächsischen Bildungs- und Schulpolitik bearbeitet. Als bildungspolitische Sprecherin der Fraktion bin ich Vorsitzende des Arbeitskreises und für die inhaltliche Arbeit verantwortlich. Ein Aufgabenbereich für mich als schul- bzw. bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion liegt darin, die Standpunkte der Bildungspolitiker der Fraktion zu erarbeiten und nach außen zu kommunizieren. Das Aufgabengebiet des Arbeitskreises ist vielfältig und umfasst unter anderem die Themenbereiche Krippen und Kindertagesstätten, Schulen und berufliche Bildung sowie Förderschulen und Inklusion. Zudem stimme ich mich mit dem Koalitionspartner ab und stehe meinen Kolleginnen und Kollegen im Landtag, den Bildungsverbänden, Schulen sowie Bürgerinnen und Bürgern als Ansprechperson und Expertin für Bildungs- und Schulpolitik zur Verfügung.

Wie genau setzen Sie sich für Kinder und Jugendliche ein?

Die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen stehen in der Bildungspolitik im Mittelpunkt. Ich setze mich im Parlament für eine bessere Betreuung und Bildung von Kindern in der Kita ein sowie für Qualität in der Schule. Hinzu kommt, dass mir der Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium und den Beruf wichtig ist. Der regelmäßige Austausch und Kontakt mit jungen Menschen und Eltern zu aktuellen Themen hilft mir, die Anliegen und Interessen der jungen Generation in meine Arbeit zu integrieren. Ich möchte für die jungen Menschen ansprechbar sein und meine politische Arbeit für sie zugänglich machen.

Was sind die wichtigsten Themen, Sorgen und Wünsche der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen?

Das fragt man am besten die Schülerinnen und Schüler selbst, daher ist mir der regelmäßige Austausch wichtig. Themen verändern sich natürlich. In letzter Zeit wurde ich z.B. häufig nach dem Umgang mit dem Rechtspopulismus befragt. Darüber machen sich auch junge Menschen viele Gedanken.

Ich beobachte zudem, dass sich die Lebenswelt der Jugendlichen stark verändert - allen voran der selbstverständliche Umgang mit digitalen und sozialen Medien. Die veränderten Lebenswelten junger Menschen müssen in den Schulalltag integriert werden. Das bedeutet, dass auch in den Schulen digitale Medien und der verantwortungsvolle Umgang damit zum Alltag gehören sollten.

Die Lehrerin steht an der Tafel und erklärt, die Schüler sitzen in ihren Bänken und hören zu: Diese Form des Frontalunterrichts wird von vielen Schülerinnen und Schülern für veraltet gehalten und sie werden damit nicht auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet. Projekte und offenes Arbeiten sollten zusätzlich gefördert werden. Damit werden Kompetenzen wie Organisation, Zeitmanagement und Diskussionskultur vermittelt, die später in der Arbeitswelt eine große Rolle spielen.

Was raten Sie Jugendlichen, die sich schulpolitisch engagieren wollen?

Nicht nur Erwachsene und Politiker können die Gesellschaft mitgestalten. Auch für junge Menschen gibt es zahlreiche Angebote, sich zu engagieren. Als Klassen- oder Schulsprecher haben Schüler die Möglichkeit, die Interessen ihrer Klassenkameraden zu vertreten. Bei Planspielen können Jugendliche anhand von Simulationen begreifen, wie politische Prozesse funktionieren. Sie spielen Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse nach. In Kinder- und Jugendparlamenten können sich Jugendliche gezielt in die Gemeindepolitik einbringen. Sie vertreten dort ihre Standpunkte zu bestimmten Themen gegenüber den verantwortlichen Personen in der Politik oder Verwaltung. Und schließlich haben die größeren politischen Parteien auch in der Regel eine Jugendorganisation. Hier können sich Jugendliche meist ab dem Alter von 14 Jahren engagieren.