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Readspeaker Symbol Pressemitteilung 127/2014 vom 02.05.2014

Anwalt ohne Recht - Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933

Ausstellung im Niedersächsischen Landtag

Landtagspräsident Bernd Busemann eröffnet am Dienstag, dem 13. Mai 2014, um 15.30 Uhr im Niedersächsischen Landtag die Ausstellung „Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933“.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier wird der Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Rechtsanwalt Michael Fürst, ein Grußwort sprechen. Der Rechtshistoriker Prof. Dr. Hinrich Rüping, Universität Göttingen, wird einen Vortrag über „Die Freiheit der Advokatur“ im Nationalsozialismus halten.

Die von der Bundesrechtsanwaltskammer und dem Deutschen Juristentag e.V. konzipierte Ausstellung findet aus Anlass des 70. Deutschen Juristentages statt, der im September 2014 erstmals seit 22 Jahren wieder nach Niedersachsen kommt. Sie schildert die Schicksale jüdischer Rechtsanwälte nach 1933. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie auf Anwälte aus Niedersachsen. Ausgehend von den individuellen Schicksalen wird der Blick dabei auch auf grundsätzliche Fragen von Ausgrenzung und Verfolgung gerichtet.

Die Ausstellung ist vom 19. bis 28. Mai 2014 (montags bis freitags) jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen zur Ausstellung erhalten Sie von der Geschäftsstelle des 70. Deutschen Juristentages, Marina Stein, Tel.-Nr.: 0511/347-3286, Fax-Nr.: 0511/347-4256, E-Mail: hannover@djt.de


Hintergrundinformation

Die Ausstellung „Anwalt ohne Recht“ erinnert an die von der NS-Verfolgung betroffenen Anwältinnen und Anwälte und die Unrechtsmaßnahmen, unter denen sie zu leiden hatten. Die Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder den Betrachterinnen und Betrachtern einen neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse sowie die juristische Sphäre.

In welchen Etappen die Ausgrenzung bis zum allgemeinen Berufsverbot am 30. November 1938 aus dem gewachsenen Berufsstand vorgenommen wurde, veranschaulichen zahlreiche, zum Teil einmalige Dokumente und Zeugnisse. Anhand von Einzelbiographien, die durch umfangreiches Bildmaterial sehr lebendig werden, lassen sich die Folgen der Eingriffe für den Einzelnen exemplarisch nachvollziehen. Nicht allein die Lebenswege Prominenter werden nachgezeichnet, sondern auch die von weniger bekannten Anwälten. Alle verloren den Beruf, meist die Heimat und ein großer Teil ihr Leben.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Ausstellung auf Anwälte aus Niedersachsen.


Ausgangssituation in Hannover

Nach dem Erfolg bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 demonstrierte die NSDAP auch in Hannover durch gewaltsame Hissung der Hakenkreuzfahne auf öffentlichen Gebäuden ihren Machtanspruch. Am Mittwoch des 9. März marschierte die SA-Standarte 412 vor dem Amtsgericht und Landgericht auf, und ein SA-Führer kündigte an, dass „ein neuer Geist in dieses Haus“ einziehen werde. Per Funkspruch forderte der preußische NS-Justizminister Kerrl am 31. März 1933 die Entfernung der jüdischen Rechtsanwälte. Innerhalb weniger Stunden wurden in Hannover alle Anwälte vermeintlich jüdischer Herkunft gezwungen, ihre Tätigkeit einzustellen. Während der Boykottaktion von SA und SS am 1. April bedrohten Wachtposten auch die Büros von Anwälten. Aufgrund von Nachforschungen der Gerichte und Denunziationen der NS-Juristen waren insgesamt 56 Anwälte im Landgerichtsbezirk Hannover (53 in Hannover, ein Viertel der dortigen Anwaltschaft, drei in Hameln und Pyrmont) als Juden namhaft gemacht, alle mit Hausverbot, viele mit einem vorläufigen Vertretungsverbot belegt worden. Ein endgültiges Berufsverbot für alle Anwälte jüdischer Herkunft wurde zum 30. November 1938 wirksam.


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