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Readspeaker Symbol Pressemitteilung 67/2009 vom 02.09.2009

Landtagspräsident Hermann Dinkla: „Startschuss für den Realisierungswettbewerb ‚Neukonzeption des Plenarbereichs’ “

Landtagspräsident Hermann Dinkla hat in der Landespressekonferenz am 02. September 2009 die wesentlichen Grundzüge des soeben gestarteten Realisierungswettbewerb ‚Neukonzeption des Plenarbereichs’ dargelegt, die sich dem wesentlichen Inhalt nach aus den nachstehenden Ausführungen ergeben: 

Situation

Der bestehende Plenarbereich des Niedersächsischen Landtages, insbesondere der Plenarsaal selbst entspricht nicht mehr den funktionalen Anforderungen des Landtages und dem Anspruch, seine parlamentarische Arbeit transparent zu gestalten. Weiterhin hat der Plenarsaaltrakt in Teilbereichen starke bautechnische Mängel. Ein barrierefreier Zugang ist nicht möglich.

Aus diesem Grund beabsichtigt der Niedersächsische Landtag eine Um- bzw. Neugestaltung des Plenarbereichs einschließlich des Eingangsbereichs, der Sitzungs- und Bürobereiche, der Bereiche für Besucher und Medienvertreter sowie des Restaurant- und Küchenbereichs. Zu diesem Zweck hat das Land Niedersachsen durch das Staatliche Management  im August 2009 einen Architektenwettbewerb zur Um- oder Neugestaltung des Plenarsaaltraktes ausgelobt. Mit der Durchführung des Wettbewerbs wurde das Büro [phase eins]. aus Berlin (www.phase1.de) beauftragt. 

Landtag

Der Niedersächsische Landtag hat seinen Sitz seit 1962 im hannoverschen Leineschloss. Der unmittelbar an der Leine gelegene Gebäudekomplex, der während der Jahrhunderte seines Bestehens eine Vielzahl von Veränderungen und Überformungen erfahren hat, spiegelt die Geschichte des Landtages, die des Landes und die der Stadt Hannover in vielfältiger Weise wider. 

Das erste Leineschloss wurde zwischen 1637 und 1642 errichtet. Es folgten zahlreiche Umnutzungen einzelner Gebäudeteile sowie Umgestaltungen und Ergänzungen. Die für die heutige Erscheinung des Leineschlosses maßgebliche Um- und Neugestaltung erfolgte in den Jahren 1817 bis 1842 durch den Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves.

Am 26. Juli 1943 wurde das Leineschloss bei einem Luftangriff nahezu vollständig zerstört.

Im Jahr 1954 wurde ein Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau des Leineschlosses zu einem Parlamentsgebäude ausgeschrieben, der für alle Gestaltungen bis hin zum Abriss des schwer beschädigten Leineschlosses offen war.  

Der hannoversche Architekt Professor Dieter Oesterlen konnte diesen Wettbewerb mit seinem Vorschlag für sich entscheiden, ein kubisches Plenarsaalgebäude neu zu errichten und mit dem Leinschloss durch den Wiederaufbau der alten Schlossfassaden einschließlich des klassizistischen Eingangsportals von Laves zu verbinden.

Dieter Oesterlen gehört zu den einflussreichsten Architekten in Hannover nach 1945. In seinem Werk, das eine Vielzahl von Wiederaufbau- und Neubauprojekten umfasst, stellt der Umbau des Leineschlosses zum Sitz des Niedersächsischen Landtags eines der wichtigsten Werke dar.  

Das Landtagsgebäude, insbesondere der Plenarsaal selbst, spiegelt eine Ausprägung parlamentarischen Bauens im Deutschland der Nachkriegszeit wider, die eine spezifische Vorstellung parlamentarischer Arbeit thematisiert und baulich-räumlich umsetzt: die Abgeordneten sollen dabei in einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre, ohne Ablenkung durch äußere Einflüsse arbeiten können. In seiner äußeren Erscheinung stellt das Landtagsgebäude durch den Kontrast zwischen der historischen Fassade des Leineschlosses und dem betont sachlichen, kubischen Plenartrakt die Verbindung von Geschichtlichkeit und Moderne dar.

 Wettbewerb 2002

Die funktionalen und bautechnischen Mängel des Plenarsaaltraktes haben bereits im Jahr 2002 zu einem Architektenwettbewerb geführt, dessen Ergebnis jedoch aus verschiedenen Gründen nicht realisiert wurde. Der Umgang mit dem Ergebnis dieses Realisierungswettbewerbs zur Neukonzeption des Plenarbereichs ist nun Gegenstand einer öffentlichen Debatte. Im Rahmen dieser Debatte wird unter anderem die Position vertreten, eine erneute Ausschreibung eines Wettbewerbs sei nicht gerechtfertigt. Es sei vielmehr der erstplatzierte Wettbewerbsbeitrag aus dem Jahr 2002 – gegebenenfalls nach Überarbeitung – zur Ausführung zu bringen.

Demgegenüber vertritt der Auslober die Auffassung, dass das im Jahr 2002 erstplatzierte Projekt aus heutiger Sicht Defizite aufweist, die eine Umsetzung nicht (mehr) geboten erscheinen lassen. Dies liegt vor allem darin begründet, dass die Programmanforderungen seit dem Jahr 2002 wesentliche Änderungen und Ergänzungen erfahren haben, die einen Rückbezug auf den damaligen Entwurf nicht ermöglichen. 

So hat sich beispielsweise die zu überplanende Fläche durch die Einbeziehung zusätzlicher Flächen, insbesondere der sanierungsbedürftigen Portikushalle und des Gastronomiebereichs, sowie durch aktualisierte Anforderungen an den künftigen Plenarsaal deutlich erhöht. Hinzu kommt, dass bei dem im Jahr 2002 durchgeführten Wettbewerb mit dem Bauvorhaben keine städtebaulichen Ziele verfolgt wurden. Nunmehr hat die Stadt Hannover aber ein Interesse an einem städtebaulichen Akzent zur Belebung des Innenstadtbereichs durch die Maßnahme bekundet. 

Wettbewerb 2009

Der Wettbewerb ist als offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb gemäß Â§ 3 Abs. 1 der Richtlinien für Planungswettbewerbe ausgeschrieben.

Derzeit ist beabsichtigt, in einer Sitzung des Preisgerichts am 6. und 7. November 2009 circa fünfundzwanzig Büros bzw. Arbeitsgemeinschaften zur Teilnahme an der zweiten Wettbewerbsphase auszuwählen. Die Sitzung des Preisgerichts zur Entscheidung über den Wettbewerb ist für den 12. Februar und (falls erforderlich) für den 13. Februar 2010 vorgesehen. 

Lösungen der Wettbewerbsaufgabe können sowohl auf Grundlage des Erhalts bzw. teilweisen Erhalts und einer Änderung des Bestands als auch auf Grundlage von Konzepten, die eine Ergänzung des Bestands oder den Vorschlag eines Abbruchs und Neubaus vorsehen, vorgelegt werden. 

Das Landtagsgebäude ist in seiner Gesamtheit Baudenkmal gemäß Â§ 3 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes. Es ist Teil der Wettbewerbsaufgabe, auf den Zielkonflikt zwischen der Beseitigung funktionaler Mängel und der Umsetzung des Raum- und Funktionsprogramms einerseits und dem Erhalt des Baudenkmals bzw. wesentlicher Teile des Baudenkmals andererseits mit einem Entwurf zu reagieren, der den genannten Ansprüchen, ohne wesentliche Einschränkung der beabsichtigten Nutzungen und deren räumlicher Umsetzung, Rechnung trägt. 

Zusammensetzung der Jury

Die Beurteilung der in beiden Wettbewerbsphasen eingereichten Entwürfe sowie die Auswahl der Preisträger erfolgt durch die Jury. Sie setzt sich aus folgenden Personen zusammen.

Fachpreisrichter:

  • Prof. Carl Fingerhuth (Architekt/Stadtplaner, Zürich/Darmstadt)

  • Kaspar Kraemer (Architekt, Köln)

  • Hon. Prof. Johanne Nalbach (Architektin, Berlin)

  • Prof. Gernot Schulz (Architekt, Köln)

  • Prof. Arno Lederer (Architekt, Stuttgart)

  • Prof. Zvonko Turkali (Architekt, Frankfurt am Main)

  • Wolfgang Schneider (Präsident der Architektenkammer Niedersachsen)

  • Doris Nordmann (Abteilungsleiterin im Nds. Finanzministerium)

  • Uwe Bodemann (Stadtbaurat Stadt Hannover)

Stellvertretende Fachpreisrichter:

  • Prof. Kirsten Schemel (Architektin, Berlin)

  • Ferdinand Heide (Architekt, Frankfurt am Main)

Sachverständige:

  • Stefan Plesser (Architekt, Braunschweig)

  • Dr. Stefan Winghart (Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hannover).

Darüber hinaus gehören der Jury neben Landtagspräsident Hermann Dinkla sieben weitere Abgeordnete und deren Stellvertreter aus allen im Niedersächsischen Landtag vertretenen Fraktionen als Sachpreisrichter an. 

Realisierung

Es ist beabsichtigt, das Projekt der Um- bzw. Neugestaltung des Plenarbereichs des Niedersächsischen Landtages bis Ende 2012, also bis zum Ende der 16. Wahlperiode umzusetzen. Das für dieses Projekt maximal zur Verfügung stehende Budget beträgt  45,0 Mio. EUR.


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