Heiner Scholing (Bündnis 90/Die Grünen): „Kinder und Jugendliche müssen gerne in die Schule gehen“

Wann und warum sind Sie in die Politik gegangen?

„Als ich 10 Jahre alt war, rief mein Vater im November 1963 durch das Haus: ‚Kennedy ist ermordet worden’. Das war eine Meldung von hoher Bedeutung, weil mein Vater – die Generation vor mir – sehr geprägt war von Krieg. Und ich glaube, dass ist eine Prägung, die ich sehr früh mitgenommen habe. Also ‚nie wieder Krieg, nie wieder Gewaltherrschaft, Demokratie, Freiheitsrechte’. Insofern war ich immer politisch. Direkt in die Politik bin ich aber sehr spät gegangen. Ich war Förderschullehrer, Förderschulleiter. Das war auch Politik. Aber ich bin jetzt in der ersten Legislaturperiode. Das war ein später Impuls, nochmal auf diese Seite der Bildungspolitik zu gehen. “

Was macht ein schulpolitischer Sprecher eigentlich?

„Die eine Ebene ist natürlich das Schulgesetz. Das ist die höchste parlamentarische Ebene: zu gucken, wie wir auf gesetzgeberischer Ebene gute Rahmenbedingungen für Schulen schaffen können. Dazu führe ich viele Gespräche mit vielen Menschen, wo es genau darum geht. Ich brauche auch deren Rat, Schule ist ja ein enorm weites Feld. Insofern muss ich mich auch schlau machen bei anderen. Und dann gibt es eine ganz konkrete Ebene: nämlich Schulen bereisen, mit Schulleitern und Lehrern sprechen, Schulveranstaltungen besuchen und so weiter. Es gibt also für einen schulpolitischen Sprecher viel zu tun.“

Wie genau setzen Sie sich für Kinder und Jugendliche ein?

„Kinder und Jugendliche haben Interesse an guter Schule. Eine gute Schule ist auch eine Schule, die sie nicht nur fordert auf der Ebene ‚Lernen’ und ‚Inhalte’ und ‚Vokabeln lernen’, sondern auch auf der Ebene, dass Schule Spaß macht. Ich denke, dass wir dafür eine Menge getan haben, indem wir die Rahmenbedingungen für Ganztagsschulen verbessert haben. Und noch ein Punkt ist mir wichtig: Schule bedeutet – allemal in den Gymnasien – Stress. G8, das war zu viel Stress. Ich glaube, dass die Rückkehr zu G9 ein sehr konkreter Beitrag war, Schule besser zu machen und damit auch etwas für Kinder und Jugendliche zu tun.“

Was sind die wichtigsten Themen, Sorgen und Wünsche junger Menschen in Niedersachsen?

„Ich kriege immer wieder von Kindern und Jugendlichen zurückgemeldet, dass Schule sie zu wenig abholt in ihren Lernbedürfnissen. Schule muss nicht immer Spaß machen. Aber: Kinder und Jugendliche müssen gerne in die Schule gehen – schließlich. Dafür müssen wir noch eine Menge tun. Dann ist da noch das große Themenfeld ‚Übergang von der Schule zum Beruf’. Jugendliche wollen gut vorbereitet werden auf das, was nach der Schule kommt. Also auf eine Berufsausbildung oder ein Studium.“

Interessieren sich Jugendliche überhaupt für Politik?

„Ja, da bin ich fest von überzeugt. Im Vorfeld der Landtagswahlen 2013 war ich bei einigen Podiumsdiskussionen in Schulen. Da habe ich schon den Eindruck gehabt, dass sie sich sehr wohl interessieren. Das mag sich anders artikulieren als bei mir, als ich ein Schüler war. Aber das ist ja nun auch schon ein bisschen her. Zum Beispiel die ganzen Themen rund um Umweltschutz, Klimawandel und so weiter. Da sind Kinder und Jugendliche mittlerweile sehr sensibilisiert.“
Interview mit Heiner Scholing (links), Schulpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen (©Tom Figiel)
Heiner Scholing: „Kinder und Jugendliche müssen gerne in die Schule gehen“ (©Tom Figiel)

Inwiefern ist Politik für junge Menschen wichtig?

„Es geht um euer Leben. Dabei geht es gar nicht immer nur um die große Politik, die hier im Landtag oder im Bundestag gemacht wird. Es geht darum, sich für seine Interessen einzusetzen. Es geht darum, sich in der Schule für den Nachbarn einzusetzen und aktiv zu werden in Vereinen, in der Feuerwehr, in Umweltschutzorganisationen – wo auch immer. Politik darf auf keinen Fall reduziert werden auf die Ebene Landtag. Politik bedeutet, sich für andere und seine eigenen Interessen einzusetzen.“

Was raten Sie Jugendlichen, die sich politisch engagieren wollen?

„Bleibe erst mal nah an deinen Interessen. Deinen Interessen im Rahmen der Schule: Welche Angebote hat die Schule? Kümmere dich darum, dass die Ganztagsschule gut läuft. Kümmere dich um die Frage, was in deiner Gemeinde für Kinder und Jugendliche gemacht wird. Also vom Nahen zum Fernen. Eine Eigenschaft sollte man dabei haben: Man muss Spaß daran haben, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Man muss auch Spaß daran haben, Meinungsverschiedenheiten auszuhalten und durchzustehen. Und sich gut zu streiten. Dann aber auch Wege finden, aus diesem Streit wieder rauszukommen.“