Björn Försterling (FDP): „Es gibt kein Leben ohne Politik“

Wann und warum sind Sie in die Politik gegangen?

„Meine Eltern waren beide in der SPD. Und ich stand schon mit vier Jahren am SPD-Infostand. Ich hab mich schon immer für Politik interessiert. Im Alter von 15 habe ich mir dann meine eigenen Gedanken gemacht und mich mit den Parteiprogrammen auseinandergesetzt. Und dann bin ich zu einer FDP-Veranstaltung gegangen, da waren sie sehr offen und aufgeschlossen und haben mich sofort mit aufgenommen. An meinem 16. Geburtstag bin ich direkt Mitglied geworden. Dann hat eins das andere ergeben. Lange Jahre war Politik mein Hobby. 2008 hat es dann funktioniert, das Hobby zum Beruf zu machen.“

Was macht ein schulpolitischer Sprecher eigentlich?

„Die schulpolitischen Sprecher sollten nicht darüber befinden, was guter oder schlechter Unterricht ist. Sondern eigentlich geht’s darum, dass wir uns mit der Frage auseinandersetzen, welche Rahmenbedingungen Schule braucht, um gut arbeiten zu können und das Beste für die Schüler zu erreichen. Und um zu wissen, was los ist, bin ich wahnsinnig viel im Land unterwegs und besuche zahlreiche Schulen. Man kann zwar in Hannover sitzen und das alles vom grünen Tisch aus entscheiden. Aber man muss auch wissen, was in den Schulen los ist, um die richtigen Maßnahmen zu treffen.“

Wie genau setzen Sie sich Kinder und Jugendliche ein?

„Ein großes Problem ist immer wieder die Frage der Schulsozialarbeit. Also: An wen können sich Schüler wenden, wenn sie im privaten Bereich Probleme haben, die so erdrückend sind, dass sie nicht gezielt lernen können. Damit sind oftmals auch Lehrer überfordert, weil sie dafür nicht ausgebildet worden sind. Alle Schulen sagen mittlerweile ‚wir brauchen Schulsozialarbeiter’. Wenn man das an verschiedenen Orten hört, dann nimmt man das mit nach Hannover. Wir haben schon mehrfach beantragt, Schulsozialarbeiter flächendeckend in Niedersachsens Schulen einzustellen. Und so nach und nach kommt man dann der Sache immer einen Schritt näher. Aber man muss dranbleiben und darf nicht aufgeben, wenn ein Antrag mal keine Mehrheit findet.“

Was sind die wichtigsten Themen, Sorgen und Wünsche junger Menschen in Niedersachsen?

„Das Wichtigste ist, glaube ich, festzustellen: Die Schüler in Niedersachsen wollen lernen. Sie wollen, das merke ich immer wieder, richtig gut vorbereitet ins Studium oder die Berufsausbildung gehen. Und viele Schüler hätten gerne Sicherheit, dass sie einen Ausbildungsplatz oder einen Studienplatz bekommen. Damit sie dann später auch ein gutes Leben führen können.“

Interessieren sich Jugendliche überhaupt für Politik?

„Teils teils. Ich kenne das ja noch aus meiner eigenen Jugendzeit, wo ich immer ein Stück weit der Exot gewesen bin. Ich bin zu irgendwelchen Kongressen gefahren, während die anderen am Wochenende Party gemacht haben. Aber insgesamt merke ich, dass die Schüler sich dafür interessieren. Ganz konkret, wenn es um die Schule vor Ort geht oder um die Jugendarbeit in der Stadt oder Kommune. Ich habe das Gefühl, dass die Jugendlichen da schon genau hinschauen. Aber es wird nie einen kompletten Jahrgang geben, der sich für Politik begeistern kann. So wie es ja auch keinen Jahrgang gibt, wo alle Fußball spielen oder alle Tennis.“
Interview mit Björn Försterling (rechts), Schulpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion (©Tom Figiel)
Björn Försterling: „Es gibt kein Leben ohne Politik“ (©Tom Figiel)

Inwiefern ist Politik für junge Menschen wichtig?

„Es geht um die Rahmenbedingungen in der Schule, in der Berufsausbildung, um das Studium. Und auch beispielsweise um die Frage, wie der Staat mich in meinem Leben überwacht. Es gibt kein Leben ohne Politik, weil Politik immer Einfluss auf jedes einzelne Leben nimmt. Mal stärker, mal weniger. Deswegen kann ich nur dazu aufrufen, sich damit auseinanderzusetzen. Denn Politik bestimmt das eigene Leben, auch wenn man es manchmal nicht so wahrhaben will.“

Was raten Sie Jugendlichen, die sich politisch engagieren wollen?

„Sich die Programme der verschiedenen Parteien anschauen und dann einfach mal vor Ort zu einer Parteiveranstaltung gehen. Da darf man sich dann auch nicht davon abschrecken lassen, dass da möglicherweise ältere Herrschaften sitzen und das in irgendwelchen Gaststätten stattfindet. Ich hab immer festgestellt, dass alle sehr begeistert sind, wenn es junge Menschen gibt, die sich für Politik engagieren. Und habe eigentlich noch nie erlebt, dass mir irgendein Jugendlicher erzählt hat, dass er da nicht für voll genommen oder nach Hause geschickt wurde. Eigentlich sind alle politischen Parteien froh, wenn Nachwuchs auftaucht.“